Excès de Roissy III

Katharsis

Vielleicht sollte ich noch erklären, wo die Untertitel zu der jeweiligen Veranstaltung her kommen. Wir verewigen uns selbst in diesen Untertiteln. Beim ersten Mal fanden wir es einfach passend das Theme eines unserer Lieblingsfilme zu nehmen… Matrix…“Alles beginnt mit einer Entscheidung…“ Danach haben wir uns dazu entschlossen Titel von Liedern unserer Lieblingsbands, welche einen mehr oder weniger starken Bezug zu BDSM herstellen, zu nehmen. Am Anfang waren es nur SirCoS und ich, die sich in den Titeln verewigt haben, aber mit der Zeit hat sich das Team da angeschlossen und jedes Excès trägt den Untertitel eines von einem Mitglied des Teams ausgesuchten Liedes. Das soll auch verdeutlichen, dass jedes Event auch für das Team eine eigene emotionale Tiefe hat. Jeder von uns gibt einen Teil von sich.

Der Titel des 2. Excès ist den vielen Anfragen geschuldet. Die Gäste vom ersten Mal verlangten nach mehr… daher „Alle Lust will Ewigkeit…“

Katharsis … war eine gemeinsame Entscheidung von SirCoS und mir… von einer unserer Lieblingsbands „Nachtmahr“… Wir haben uns die Bedeutung durchgelesen und gemeint, dass es zu dem passt, was wir erreichen wollen. „Befreiung von seelischen Konflikten durch emotionale Durcharbeitung.“ oder im weitesten Sinne: „Reinigung von inneren Konflikten und verdrängter Emotionen“. Einige O´s werden das mit Sicherheit verstehen, dass man im Alltag nicht immer devot sein kann und dass es einen innerlich zerreist, seine geheimsten Gedanken und Gefühle immer vor der Öffentlichkeit verstecken zu müssen. Das Excès sollte also auch eine Tür in eine andere Welt sein, in der es keinem gesellschaftlichen Mord gleichkommt, das zu tun was man wirklich will.

Exces de Roissy III

Nun aber zum 26.04.2014. Das dritte mal, dass sich die Tore nach Roissy öffnen. Wir hatten immer noch kein Training und waren uns sicher, dass im Kino ein bisschen Abwechslung nicht schaden kann und zeigten daher in der Wartezeit “ the upperfloor“ und „Sex and Submision“ von Kink. Diese Idee ist aber leider nicht bei allen so angekommen, wie wir es erhofft hatten. Vielen war es einfach zu viel. Da wären wir wieder bei dem Thema „Katharsis“, einige konnten einfach die gesellschaftlichen Schranken im Kopf nicht sinken lassen und waren empört über soviel Zügellosigkeit.
Was wir uns aber zum Anlass nahmen über sinnvolle Alternativen nachzudenken.

Beim 3. Excès hatten wir auch zum ersten Mal unseren Fotografen dabei, der es sich hat nicht nehmen lassen, während des Aufbaus zu filmen. Dieses Video war auch für die Gäste gedacht, die immer wieder nachgefragt haben, wie wir das den alles schaffen. Ich kann euch versichern, wir haben sehr viel Spass beim Aufbau. ;-P Man sieht SirCoS nicht alle Tage an der Stelle, an der später die O´s stehen. Auch die Diener testen viele Sachen erstmal an sich selbst, bevor sie damit die weiblichen Gäste bespielen.

Wir haben uns im nachhinein sehr oft und viel mit einigen der Gäste unterhalten. Da kamen ein paar tolle Ideen und Mithilfe-Angebote. Die wir unbedingt beim nächsten Mal umsetzen wollten. So ist es dann auch jedesmal: Nach dem Excès de Roissy ist vor dem Excès de Roissy. Und es wurde irgenwie immer größer und besser. Doch wir hatten noch viel zu lernen. Wir sind immer noch Neulinge in Sachen Veranstaltungsplanung, zumal wir das alles nebenbei machen. Alle haben reguläre Jobs oder ein eigenes Unternehmen, was nicht viel Zeit lässt um mal so eben nebenbei 2 mal im Jahr unser Roissy zum Leben zu erwecken. Trotzdem ist es unser Traum und für diesen machen wir einiges möglich und zwacken bei anderen Sachen eben Zeit und auch finanzielle Ressourcen ab.

Bis zu diesem 3. Excès haben wir leider auch immer nur rote Zahlen geschrieben und waren uns nicht sicher, wie lange das noch gut geht. Aber wir wollten es, also mussten wir auch dafür eine Lösung finden. Wenn ich mich recht entsinne, kam daraufhin die einzige Preiserhöhung, die wir in Kauf nehmen mussten.
Wir wollten die Preise nie erhöhen, weil wir die Gäste nicht aufgrund des Geldbeutels auswählen, sondern aufgrund der Neigungen. Es ist zum Glück soweit gut gegangen und die Gäste waren uns auch nicht wirklich böse.

Ein Gespräch mit einem Herren ist mir aber leider bis heute im Gedächtnis geblieben. Wir hatte gerade am Anfang das Problem das die Zeit der Vorführung sehr viel Sitzfleisch von den Herren fordert. Ein Herr meinte daraufhin, dass wir doch die Vorführungen kurz und knackig, als so eine Art „Rein-und-Raus-Aktion“ abhalten könnten. Und im nächsten Atemzug wünscht er sich dann, dass seine Frau im Lichtlauf doch bitte 15 Minuten tanzen sollte. Uns wurde leider ganz schnell klar, dass nicht jeder Herr den Sinn hinter den Vorführungen verstanden hat. Dieser Herr zählt nicht mehr zu den Gästen, da die Diskussion die darauf folgte auch für uns sehr anstrengend war. Wir haben uns wirklich gefragt, ob es einen Sinn ergibt, eine Veranstaltung zu organisieren, die keiner will, weil sie den Sinn hinter den Vorführungen nicht verstehen.

Leider bleibt einem aber am meisten das Negative im Gedächtnis. Ich würde zu gern hier auch ein positives Beispiel bringen, aber mir fällt nichts konkretes ein. Ich weiß nur noch das es sehr viel positives gab und das war dann auch der Grund für uns weiterzumachen.

Wir haben daraufhin auch die Auswahlkriterien für Herren verschärft. Warum sollten wir unsere Ansprüche senken? Wir wollen es nicht jedem recht machen. Wir wollen das Excès de Roissy für diejenigen ausrichten, die das selbe wollen wie wir.

Ich möchte hier zum Abschluss einfach mal meinen Herren zitieren: „Manch guter Film geht 3 Stunden und wer die Vorführung devoter Frauen nicht für einen guten Film hält, der ist falsch!“