Dramaturgie beim Excès de Roissy

„Man hätte meinen sollen, durch die ständige Erniedrigung würde sie sich daran gewöhnen, erniedrigt zu werden, durch die ständigen Berührungen daran, berührt zu werden, vielleicht sogar an die Peitsche, wenn sie ständig gepeitscht wurde.
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Und doch, genau wie diejenigen Teile ihres Körpers, die am meisten geschändet wurden, noch empfindungsfähiger geworden waren, so schienen sie ihr auch schöner geworden,veredelt: ihr Mund, der das Geschlecht eines Unbekannten umschloß, die Spitzen ihrer Brüste, die ständig von fremden Händen berührt wurden, die Zugänge ihres Leibes zwischen ihren gespreizten Schenkeln, Wege, die jeder benutzen, jeder nach Laune zerwühlen konnte.

Unglaublich, daß sie an Würde gewannen haben sollte, weil sie prostituiert wurde, und doch stimmte es.

Sie strahlte Würde aus, man sah an ihrem Gang die Ruhe, an ihrem Gesicht die Heiterkeit und das leise innere Lächeln, das man in den Augen derer, die für die Welt tot sind, mehr ahnt als sieht.“

Pauline Réage

Excès de Roissy ist ein Abend mit streng geführter Dramaturgie nach dem Vorbild der Geschehnisse von Roissy aus dem Roman „Die Geschichte der O“. Es handelt sich dabei nicht um eine öffentliche Veranstaltung, sondern um einen eng zusammengestellten Personenkreis, der nicht nur den Wunsch hat Roissy zu erleben, sondern auch die draus entstehenden Konsequenzen in vollster Weise akzeptiert und gut heißt. Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die nach persönlicher Einladung des Hausherren zusammentrifft, um sich streng nach den Sitten und Gebräuchen von Roissy von den Erziehungsfortschritten ihrer O’s zu überzeugen, oder sie (wie in der Romanvorlage) zur O ausbilden zu lassen!

Nach außen hin agiert der Kreis als „Loge“, der über alles was in Roissy gesprochen und erlebt wurde stillschweigen bewahrt. Paare oder Einzelherren, die sich dem Kreis anschließen möchten, werden nach eingereichter Bewerbung durch das Hauspersonal einem Casting unterzogen und mit dessen bestehen als „Anwärter“ eingeladen. Diese Anwärter können sich dann einen Abend lang den Loge-Mitgliedern beweisen und werden dann von ihnen in die Loge gewählt. Es handelt sich NICHT um einen Zirkel, der sich selbst organisiert. Organisiert wird der Besuch des Hauses Roissy durch den Hausherren und sein Team! Das Excès de Roissy findet 2 mal im Jahr statt und hat wie sein Pendant im Buch einen Einfluss auf das Leben als Herr und O, auch im Alltag!

Dies soll den zukünftigen und bereits vorhandenen Mitgliedern der „Loge“ ermöglichen, Roissy zu erleben. Unser Anspruch besteht darin, die Teile des Romans dramaturgisch in Szene zu setzen, die sich in die Realität übertragen lassen. Wie auch im Roman erhalten die Mitglieder der Loge die „Zeichen des Hauses“, ähnlich wie O in Roissy den „Ring“ erhielt. Die von uns erhaltenen Zeichen haben dabei selbe Bedeutung.

Im Roman wurde O nicht wirklich die Wahl gelassen. Bereits zu Beginn des Buches wurde O nach Roissy gebracht. Sie erfuhr dort nicht was sie erwarten würde und was wann geschieht. Alles was passierte war der Wille Ihres Gebieters. Sie hatte lediglich die Wahl zu bleiben und sich dem zu unterwerfen, was er für sie geplant hatte, ohne die Details zu kennen. Somit liegt die Entscheidung eine O (mit erfolgter Einladung des Hauses) nach Roissy zu bringen bei ihrem Gebieter und es obliegt ebenfalls seinen Wünschen, was O in Roissy widerfahren wird.

Dieses Zusammentreffen von würdigen Herren und O’s folgt einem roten Faden, in dem jede O auf die verschiedenen Charaktere des Buches trifft. Für sie ist es die Prüfung Ihres Gebieters, denn er wird im Vorfeld bestimmen, was Ihr in Rossy passieren wird. Die O wird im Vorfeld vom Gebieter NICHT darüber unterrichtet, was in Roissy geschehen wird. Sie ergibt sich blind und in tiefem Vertrauen den Wünschen und Vorsehungen Ihres Gebieters!

Die Dramaturgiebesprechungen werden im Vorfeld mit den Herren durchgeführt. Ihnen werden die geplanten Szenen vorgestellt und sie entscheiden dann, was in diesen Szenen passieren soll. Der Gebieter bestimmt wie die Charaktere auftreten und was diese mit der O tun sollen. Das ganze endet dann in der eigentlichen „Prüfung der O“, die von den teilnehmenden Herren durchgeführt wird. Im Grunde ist das der Teil des „Freeplay“, eingebettet in die Szene „Die Prüfungen der O’s“.

Jeder Gebieter schreibt vorab für seine O ein „Drehbuch“. Wir setzen dieses Drehbuch dann am Abend in Szene. Jede O erlebt somit immer wieder ein individuelles Roissy, ganz nach Ihren Ausbildungsstand und den Wünschen Ihres Gebieters.

Die Dramaturgiebesprechungen bestehen NICHT aus einem kleinen Bogen, in dem man Kreuzchen setzen muss. Sie erfordert seitens des Gebieters Zeit und Interesse an der Mitarbeit. Herren die bei den Besprechungen nicht mitarbeiten werden bereits im Vorfeld von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Nur so ist es dem Team möglich, in Zusammenarbeit mit den Gebietern ein individuelles Roissy für jeden Teilnehmer und ein Kopfkino in den Os zu erzeugen, was sich später dann auch im Rahmen des Logengedankens automatisch wiederfinden wird.

Auch O wurde im Alltag im Kopf und in ihren Gefühlen immer wieder nach Roissy zurückkatapultiert, und sei es nur , weil sie sich mit nacktem Po auf einen Stuhl setzte.

Dieses Gefühl gilt es zu erzeugen und durch die Intensität der Veranstaltung zu erhalten. Die damit verbundene Bereitschaft, auch im Alltag den Weg nach Roissy im Kopf zu finden, wenn eine O auf einen ihr vielleicht sogar unbekannten Herrn der Loge trifft, und ihm nach seinem Gusto zu dienen ist Lob genug an die Mühen der Dramaturgie.